Schule in Bosen

 

Die jüdische Schule in Bosen wurde erstmals 1829 erwähnt. 1835 gingen 12 bis 15 schulpflichtige Kinder aus 17 Familien hier zur Schule, wobei als Räumlichkeiten lediglich Privathäuser zur Verfügung standen. Die jüdische Gemeinde in Bosen war so verarmt, dass sie nicht dauerhaft für die Bezahlung eines Lehrers aufkommen konnte, sodass die Stelle des jüdischen Dorflehrers oft vakant war und die jüdischen Kinder die christliche Dorfschule besuchten.

 

Bosener Schulklasse 1919 mit den Jahrgängen 1906 bis 1913; 1919 wurden auch erstmals jüdische Kinder in die katholische Volksschule aufgenommen

 

Mit der Gleichstellung der Konfessionsschulen 1851 wurde der jüdische Lehrer Alexander Levino, der bereits seit 1844 in Bosen unterrichtete, als dritter Lehrer an der Dorfschule angestellt. Für die damalige Zeit sehr fortschrittlich wurden entgegen aller konfessionellen Schranken katholische, evangelische und jüdische Kinder gemeinsam von drei Lehrern, die jeweils aus einer der drei Konfessionen stammten, unterrichtet. Lediglich der Religionsunterricht wurde getrennt erteilt.

Ab Ende der 1860er Jahre setzte sich aber die konfessionsgebundene Schulform wieder durch. Aufgrund sinkender Schülerzahlen wegen der Auswanderung vieler jüdischer Familien beschloss die Bezirksregierung 1870 die Schließung der jüdischen Gemeindeschule.

Die jüdische Gemeinde errichtete trotz finanzieller Probleme erneut eine Privatschule, die bis 1920 betrieben wurde. Ab 1920 mussten die jüdischen Kinder endgültig die katholische Dorfschule besuchen.

Nach dem Anschlag vom 09.11.1938 auf Gesandtschaftsrat von Rath in Paris wurde den jüdischen Kindern der Besuch der Gemeinschaftsschule untersagt. Am 22.2.1940 wurde erneut eine jüdische Notschule eröffnet, in der 15 jüdische Schulkinder aus der Region unterrichtet wurden.

 

Schülerverzeichnis der Schule in Bosen am 22.02.1940

Name Geburtsdatum und -ort Schicksal
1. Herbert Wolf 07.12.1925, Sötern deportiert 29.04.1942
2. Günter Lion 12.01.1927, Bosen deportiert 29.04.1942
3. Heinz Wolf 14.08.1928, Sötern deportiert 29.04.1942
4. Herold Marx 30.11.1931, Herchweiler Überlebte in Herchweiler
5. Kurt Mayer 01.05.1932, Ulmet 1941: Auswanderung USA
6. Marianne Scharawner 16.06.1926, Becherbach deportiert 29.04.1942
7. Rut Baer 19.06.1926, Idar 1940: Auswanderung USA
8. Lucie (Susi) Alexander 25.02.1927, Illingen überlebte in Frankreich
9. Lieselotte Sender 25.02.1927, Bosen deportiert 29.04.1942
10. Henriette Reinheimer 13.09.1927, Türkismühle deportiert 29.04.1942
11. Lore Schwarz 08.10.1927, Merchweiler überlebte in Frankreich

nach 1945: Auswanderung in die USA

12. Reni Heymann 13.12.1930, Hoppstädten deportiert 29.04.1942
13. Gisela Mendel 16.03.1932, Sötern unbekannt; für tot erklärt
14. Betty Münster 07.09.1932, Merchweiler überlebte in Merchweiler
15. Else Levy 30.04.1932, Sensweiler unbekannt; wahrscheinlich deportiert
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