Jüdische Spuren vor Ort – Die Friedhöfe und Schulen

Die jüdischen Friedhöfe

Nach jüdischer Tradition ist ein Friedhof ein Ort der Ewigkeit, dessen Frieden niemand stören darf. Man legt zum Gedenken und als Zeichen der Verehrung kleine Steine auf die Gräber.


Der jüdische Friedhof in Gonnesweiler

1980 im Eingangsbereich errichteter Gedenkstein des jüdischen Friedhofs in Gonnesweiler

Der jüdische Friedhof in Gonnesweiler wurde um 1800 angelegt. 21 Gräber sind heutzutage nur noch sichtbar, da viele in der NS- Zeit geschändet und zerstört worden sind. Im Jahre 1932 wurde der Friedhof noch vergrößert und ist neu eingefriedet worden. Während der Pogromnacht wurde der Friedhof geschändet. Die letzte bekannte Beerdigung soll 1940 die von Helene Heymann gewesen sein, ihr Grabstein ist jedoch leider nicht mehr vorhanden.


Der jüdische Friedhof in Sötern

Jüdischer Friedhof in Sötern -heute-

Der Friedhof, auf dem auch die Toten der jüdischen Gemeinde Bosen bestattet wurden, ist wahrscheinlich bereits Ende des 17. Jahrhunderts angelegt worden und wurde im 19. Jahrhundert mehrfach vergrößert. Während der Pogromnacht wurde der Friedhof geschändet. Im Oktober 1998 wurde der Friedhof erneut geschändet. Über 59 Grabmale wurden schwer beschädigt. Im März 2008 (Entdeckung der Schändung am 17. März 2008) kam es erneut zu einer Schändung des jüdischen Friedhofs. Zehn der 60 Grabsteine wurden aus der Verankerung gerissen und umgeworfen. Außerdem wurde die Außenmauer des Friedhofes mit roter Farbe beschmiert. Heute sind noch etwa 205 Gräber zu sehen.

„Auf dem Friedhof befanden sich einige SA-Männer in Uniform, welche auf dem
Friedhof Schriften aus der Synagoge verbrannten und Grabmäler zerstörten.“

(Der Zeuge J. Schwickert beobachtete am Tag nach den Geschehnissen
des 9./10. Novembers 1938, wie vor dem jüdischen Friedhof ein Lastwagen hielt.)


Die jüdischen Schulen

Die jüdische Schule in Sötern

Ehemalige jüdische Schule in Sötern

Seit 1819 gab es in Sötern eine jüdische Privatschule, die sich im Untergeschoss der Synagoge befand. Die Schüler wurden von einem Lehrer unterrichtet, der oft auch gleichzeitig die Funktionen eines Vorsängers, Schächters und Beschneiders hatte. Ab dem Winter 1880 konnten die jüdischen Schulkinder ein eigenes Schulhaus beziehen, das bis zur Schließung der jüdischen Gemeindeschule im Jahr 1910 genutzt wurde. Katholische und jüdische Schülerinnen und Schüler wurden für einige Monate dort gemeinsam unterrichtet. Ab Sommer 1910 besuchten die jüdischen Kinder eine neu gegründete Privatschule, die bis 1923 Bestand hatte und dann aufgrund der geringen Schülerzahl endgültig geschlossen wurde. Die jüdischen Kinder besuchten ab dann die katholische Dorfschule. Das Gebäude der Söterner Schule ist heute noch erhalten und befindet sich im Privatbesitz.


Die jüdische Schule in Bosen

Die jüdische Schule in Bosen wurde erstmals 1829 erwähnt. 1835 gingen 12 bis 15 schulpflichtige Kinder aus 17 Familien hier zur Schule, wobei als Räumlichkeiten lediglich Privathäuser zur Verfügung standen. Mit der rechtlichen Gleichstellung der Konfessionsschulen 1851 wurden entgegen aller konfessionellen Schranken katholische, evangelische und jüdische Kinder gemeinsam von drei Lehrern, die jeweils aus einer der drei Konfessionen stammten, an einem Schulstandort unterrichtet, was für die damalige Zeit sehr fortschrittlich war. Lediglich der Religionsunterricht wurde getrennt erteilt. Ab Ende der 1860er Jahre gab es aber wieder konfessionsgebundene Schulen im Ort, wobei die jüdische Gemeindeschule bereits 1870 aufgrund sinkender Schülerzahlen geschlossen wurde. Die jüdische Gemeinde errichtete trotz finanzieller Probleme erneut eine Privatschule, die bis 1920 betrieben wurde. Ab 1920 mussten die jüdischen Kinder endgültig die katholische Dorfschule besuchen. Nach dem Anschlag vom 09.11.1938 auf Gesandtschaftsrat vom Rath in Paris wurde den jüdischen Kindern der Besuch der Gemeinschaftsschule untersagt. Am 22.2.1940 wurde erneut eine jüdische Notschule eröffnet, in der 15 jüdische Schulkinder aus der Region unterrichtet wurden. Der Lehrer Michael Daniel führte die Schulchronik der früheren jüdischen Schule in Bosen weiter, deren letzter Eintrag aus dem Jahr 1918 stammte. Nach nur zwölf Eintragungen bricht die Chronik am Freitag, dem 8. März 1940, endgültig ab.
Nach Aussage des ehemaligen Schülers Herold Marx bestand die Schule aber noch länger. An einem Freitag sei den Schülern schließlich mitgeteilt worden, dass sie montags nicht mehr kommen sollten, da die Schule aufgelöst werde. Im September 1940 meldete sich Lehrer Daniel von Nohfelden nach Euskirchen ab.

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