Geschichte der jüdischen Gemeinde 1

Erste Ansiedlungen im 17. und 18. Jahrhundert

01_2Liste der Juden von 1790
Ein Verzeichnis der „Söterner und Bosener Schutzjuden aus dem Jahre 1790“ zählt 9 jüdische Familien in Sötern und 6 in Bosen auf

Die älteste jüdische Gemeinde im heutigen Kreis St.Wendel befand sich in Sötern. In den Nachbarorten Bosen und Gonnesweiler ließen sich die ersten jüdischen Bürger nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) nieder. 1716 lebten bereits 15 jüdische Familien in Sötern und 5 in Bosen. Die „Söterner Gemeinderechnung“ des Jahres 1756 enthält eine erste namentliche Auflistung steuerpflichtiger Juden: Jud Aaron, Jud Benjamin, Jud Sander, Jud Abraham, Jud Mordgen, Jud Gerschel, Jud Mausche. 1799 hatte Sötern 400 Einwohner, die sich aus 54 evangelischen, 10 katholischen und 15 jüdischen Familien zusammensetzten. Damit waren 71,6% der Einwohner Söterns evangelischen, 17% waren jüdischen und 11,4% katholischen Glaubens. Bosen hatte 375 Einwohner, die sich auf 55 christliche und 5 jüdische Familien verteilten.


Integration im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts

Juden in dergemeinde

Durch die Angliederung des gesamten Saarraums an den französischen Herrschaftsbereich im Jahr 1801 (Frieden von Lunéville) wurden die Juden als gleichberechtigte Staatsbürger anerkannt. Damit konnten sie sich auch an für sie vorher unzugänglich gewesenen Orten ansiedeln. Die Juden gehörten zur Dorfgemeinschaft: Sie waren im Söterner Gemeinderat vertreten, nahmen am dörflichen Vereinsleben teil und gründeten eigene jüdische Vereine in Sötern und Bosen. Außerdem wurden nun erstmals die Geburts-, Heirats- und Sterbeeinträge der jüdischen Bürger in den Personenstandsregistern der einzelnen Orte systematisch erfasst.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Bürger aufgrund von Auswanderungen nach Nord- und Südamerika erheblich ab.


Die Entwicklung im 20. Jahrhundert bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung

Der Rückgang des Landjudentums in der Gemeinde setzte sich auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts fort, wobei in Sötern entgegen diesem Trend die Zahl der jüdischen Bürger zwischen 1900 und 1933 von 107 auf 124 anstieg. 1933 lebten in Bosen noch 41, in Gonnesweiler noch 8 jüdische Personen.

Advertisements