Einzelschicksale

Stellvertretend für die vielen Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft möchten wir an dieser Stelle an die Familien erinnern für die wir im November 2012 die ersten Stolpersteine in der Gemeinde Nohfelden verlegt haben.

 

Familie Lion (Bosen, Bostalstraße 62)

Der Viehhändler und Landwirt Max Lion wurde mit seiner Frau Flora und den Söhnen Günther und Egon 1942 deportiert. Ihr Schicksal ist bis heute unbekannt.


Familie Hirsch und Kahn (Gonnesweiler)

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Charlotte und Josef Kahn

Josef und Charlotte Kahn, geborene Bach, hatten insgesamt 10 Kinder. Die Älteste war die 1901 geborene Ida. Ein Jahr später wurde der einzige Sohn Sally geboren, es folgten Flora (1904), Hedwig (1906) und Irma (1908). 1910 wurde ein Kind geboren, das aber gleich nach der Geburt starb. Zwei Jahre danach kam Melliane, genannt „Melly“, zur Welt. Es folgten Ruth (1914), Ingeborg Ilse (1915) und schließlich 1917 Lilly. Flora machte nach ihrer Schulzeit eine Ausbildung als Schneiderin. Sie legte die Meisterprüfung als Damenschneiderin ab und unterhielt ein Geschäft in Gonnesweiler. Verheiratet war sie mit Ludwig Hirsch aus dem Nachbarort Sötern. 1934 wurde ihr Sohn Raimund geboren. Die kleine Familie wohnte bei den Eltern im Haus (Hausnummer 43). Hedwig Kahn heiratete den aus Erfurt stammenden Reisevertreter Ernst Meyer. Die Familie lebte in Luxemburg. Irma Kahn heiratete einen Bruder von Ludwig Hirsch und wanderte mit ihm 1938 in die USA aus. Die Schwestern Ruth, Ingeborg Ilse und Lilly wanderten ebenfalls nach Amerika aus. Melliane machte eine Ausbildung als Kinderkrankenschwester. 1930 arbeitete sie in einem Kinderheim in Niederschönshausen/Berlin.

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Haus der Familie Kahn (ganz rechts), wurde im Krieg vermietet.

Auch Isaak Heymann aus Gonnesweiler wohnte bis zu seiner Deportation im gleichen Haus wie das Ehepaar Kahn. Die Eheleute Kahn wurden im Juli deportiert. Josef Kahn war zu diesem Zeitpunkt 72 und seine Frau 65 Jahre alt. Sie wurden nach Theresienstadt deportiert, wo sie auf ihre Tochter Melly trafen, die dort als Rot-Kreuz-Schwester tätig war. Sie durften sich allerdings nicht öffentlich zueinander bekennen, sonst hätte dies für ihre Tochter gefährlich werden können. Zwei ihrer Töchter, unter anderem Flora, wurden mit ihren Familien in KZ`s ermordet. Sechs Kinder emigrierten. Ihre Tochter Ida Kahn überlebte, weil sie von ihrem nicht-jüdischen Ehemann Nikolaus Jost aus Gonnesweiler versteckt wurde.  Ihr 17 jähriger Sohn Hans wurde laut Zeugenaussagen von SS-Männern abgeholt und an entlegener Stelle erschossen.


Familie Wolf (Sötern, Hauptstraße 47)

Arthur und Pauline Wolf und ihre Söhne Ludwig-Erwin, Herbert und Heinz Wolf wurden 1942 nach Lublin verschleppt und ermordet. Ihr Sohn Jakob-Werner wurde 1941 bei einem Fluchtversuch verhaftet und im KZ Dachau ermordet.


Familie Koschelnik (Sötern, Hauptstraße 55)

Familie Koschelnik

Die Familie Koschelnik lebte in Sötern. Isaak Koschelnik, der Vater von Leonore, Fritz und Lotte, war Schuhmacher und sehr beliebt in der Gemeinde. Isaak Koschelnik wurde am 10. November 1938 verhaftet und in das KZ Dachau gebracht. Er kam erst Wochen später wieder zurück. Das Schlimmste war jedoch, dass er das Land innerhalb einer bestimmten Frist verlassen sollte. 1939 flüchtet er nach Shanghai.

Er wollte seine Familie nachkommen lassen, doch dazu kam es nicht mehr, weil seine Frau sich um ihren kranken Vater kümmern wollte. Seine Frau und die Kinder reisten später nach Berlin, wo man fortan nichts mehr von ihnen hörte. Lotte, damals 13 Jahre alt, wurde mit ihrer Mutter Johanna Hedwig Koschelnik und ihrem Bruder Friedrich 1943 ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet. Die Spur ihrer Schwester verlor sich bereits ein Jahr zuvor im Konzentrationslager in Riga.


 

Erinnerungsstätten und Gedenkorte in der Gemeinde Nohfelden

 

Orte gegen das Vergessen

Einweihung des Lotte-Koschelnik-Platzes -20.Mai 2014-

Im Landkreis St. Wendel wurden an 7 Orten Plätze mit Bänken und Informationstafeln geschaffen, die an das in Vergessenheit geratene jüdische Leben erinnern und darüber informieren. In der Gemeinde Nohfelden wurden zwei solcher Erinnerungsorte geschaffen: der Raimund-Hirsch- Platz in Gonnesweiler (Am Rundweg Bostalsee/Seestraße) und der Lotte- Koschelnik-Platz in Sötern (Auf dem Dorfplatz).



Stolpersteine

Stolpersteine der Familie Lion in Bosen

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort pflastersteinähnliche Gedenktafeln aus Messing in den Boden einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Gunter Demnig den Talmud. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. „Hier wohnte….“, steht auf dem zehnmal zehn Zentimeter großen Tafeln aus Messing, dann Name und Geburtsdatum des Opfers und Informationen zu Deportation und Ermordung.

„Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten“, ist der Kölner Künstler überzeugt. Damit hat Demnig das weltweit größte dezentrale Mahnmal für die Opfer des dritten Reiches geschaffen.

Trotz des Begriffs Stolpersteine geht es Demnig nicht um tatsächliches „Stolpern“. Er zitiert auf die Frage nach dem Namen des Projektes gerne einen Schüler, der, nach der Stolpergefahr gefragt, antwortete: „Nein, nein, man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“

In der Gemeinde Nohfelden wurden 2012 an vier Stationen (siehe Einzelschicksale oben) 19 Stolpersteine in Gedenken an unsere ehemaligen jüdischen Mitbürger/innen verlegt.

 

 

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